BMW 7er Tage Miramas.
Inhaltsverzeichnis.
1. Das BMW Versuchsgelände autodrome de Miramas: Perfekte Bedingungen für Fahrdynamik. .....1
2. Das Design: Natürliche Präsenz, souveräne Sportlichkeit, präzise Eleganz ..... 6
3. Das Fahrerlebnis: Der komfortable Weg zu mehr Dynamik. .....18
4. Bedienkonzept und Fahrerassistenzsysteme: Für höchste Souveränität in jeder Situation. .....26
5. Der Antrieb: Konzentrierte Kraft in faszinierender Vielfalt. .....39
6. BMW Efficient Dynamics im neuen BMW 7er: Vorbilder stehen an der Spitze. .....49
1. Das BMW Versuchsgelände Autodrome de Miramas: Perfekte Bedingungen für
Fahrdynamik.
Fahrdynamik entsteht nicht nur in den Entwicklungszentren der BMW Motoren- und
Fahrwerkskonstrukteure, sondern auch auf Teststrecken und Versuchsarealen. Dort
werden alle Innovationen in langen Testreihen und unter anspruchsvollen
Bedingungen auf die Probe gestellt, aufeinander abgestimmt und verfeinert. Für
besonders intensive Erprobungsfahrten steht der BMW Group das
unternehmenseigene Versuchsgelände Autodrome de Miramas in Südfrankreich zur
Verfügung. Die zwischen Marseille und Avignon gelegene ehemalige Rennstrecke
bietet beste Voraussetzungen, um die BMW typische Fahrdynamik eines neuen
Modells unter verschiedensten Bedingungen ausgiebig zu erproben und zu
optimieren. Auch bei der Entwicklung des neuen BMW 7er kam den umfangreichen
Testfahrten auf dem Versuchsgelände in Miramas eine Schlüsselrolle zu. Die
Fahrwerkstechnik der Limousine wurde einem umfangreichen und vielfältigen
Testprogramm unterzogen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden im Rahmen des
Serienentwicklungsprozesses in die Praxis umgesetzt. Das Ergebnis steht fest:
ein Fahrverhalten, das den hohen Zielsetzungen der Entwickler entspricht, die
Erwartungen anspruchsvoller Kunden sogar noch übertrifft und damit die
Anforderungen an ein neues Modell von BMW in jeder Hinsicht erfüllt.
Seit mehr als 20 Jahren testet BMW neue Modelle und innovative Fahrwerkstechnik
auf dem Versuchsgelände in Miramas. 1986 hatte BMW France das rund 473 Hektar
große Areal erworben, in den darauf folgenden Jahren wurden die Teststrecken
und -flächen kontinuierlich modernisiert und erweitert. Heute stehen
Versuchsstrecken mit einer Gesamtlänge von mehr als 52 Kilometern und
Büroarbeitsplätze für 328 Beschäftigte zur Verfügung. Zur schnellen,
zuverlässigen und sicheren Datenübermittlung können die Entwicklungsingenieure
leistungsfähige Standleitungen zwischen dem Autodrome de Miramas und dem
Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) in München nutzen. Zu den wichtigsten
Vorzügen des südfranzösischen Standorts gehören die stabilen klimatischen
Verhältnisse, die eine ganzjährige Nutzung zu Erprobungszwecken ermöglichen. An
durchschnittlich nur zwei Tagen im Jahr muss der Testbetrieb wegen Schneefalls
unterbrochen werden, Beeinträchtigungen aufgrund von Regenfällen beschränken
sich in der Regel auf 20 Tage pro Jahr.
Dank seiner Größe, seiner vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und seiner
günstigen klimatischen Bedingungen stellt das BMW Versuchsgelände in Miramas
eine ideale Ergänzung zum Testbetrieb im nördlich von München gelegenen
Erprobungszentrum Aschheim, im nordschwedischen Erprobungsstützpunkt Arjeplog
und zu den für BMW Fahrzeuge obligatorischen Abstimmungsfahrten auf der
Nordschleife des Nürburgrings dar. In Aschheim waren die Entwicklungsingenieure
bereits Ende der 1980er-Jahre an Kapazitätsgrenzen gestoßen. Die zunehmende
Intensität der Testprogramme und eine stetige Ausweitung der BMW Modellpalette
hatten die Notwendigkeit eines zusätzlichen Versuchsstandorts noch verstärkt.
In Miramas werden heute permanent sowohl BMW Automobile als auch Motorräder
erprobt. Bis zu 250 Fahrzeuge pro Tag können intensiven Versuchsprogrammen
unterzogen werden, jährlich werden so Millionen von Testkilometern absolviert.
Auch die personelle Auslastung des Versuchsgeländes Miramas mit rund 50.000
Manntagen pro Jahr dokumentiert eindrucksvoll, welche Bedeutung die BMW Group
der Entwicklung und Optimierung der Antriebs- und Fahrwerkstechnik ihrer
Produkte beimisst. Der Hochgeschwindigkeitskurs und die Handlingstrecken in
Miramas
bieten darüber hinaus auch für Testfahrten mit den Formel-1-Boliden des BMW
Sauber F1 Teams sowie mit anderen BMW Motorsport-Fahrzeugen ideale Bedingungen.
Kontinuierlicher Ausbau zur modernen Testanlage.
Kern des Versuchsgeländes Miramas ist der einstige Rennstrecken-Rundkurs, ein
fünf Kilometer langes Asphaltoval. Die beiden jeweils einen Kilometer langen
und 16 Meter breiten Geraden des "Ovale de Miramas" sind durch zwei Kurven mit
einem Radius von jeweils 500 Metern miteinander verbunden.
In den Jahren 1990 und 1991 erweiterte BMW die ursprüngliche Rennstrecke um
einen mehr als 6 Kilometer langen Autobahnring, der speziell für Dauertests und
Hochgeschwindigkeitsfahrten konzipiert wurde. Bestandteil dieser dreispurigen
Rundstrecke ist eine Steilkurve. Ihre äußere Spur weist eine Überhöhung von 37
Prozent auf und ermöglicht eine Fahrgeschwindigkeit von 264 km/h bei einer
Querbeschleunigung von 0,3 g. Dort werden die Fahreigenschaften von Prototypen
und seriennahen Fahrzeugen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen analysiert
und optimiert.
Auf einer im Jahre 1997 in Betrieb genommenen Fahrdynamikfläche können
Fahrwerkskomponenten unter vielfältigen Bedingungen erprobt und detailliert
abgestimmt werden. Einzelne Abschnitte der rund 180.000 Quadratmeter großen
Fläche können bewässert werden, um Fahrbedingungen bei Nässe beziehungsweise
Aquaplaning-Situationen zu simulieren. Darüber hinaus stehen zur Analyse des
Lenkverhaltens und der Fahrstabilität spezielle Oberflächen mit besonders
niedrigen Reibwerten zur Verfügung. Auf ihnen lassen sich bereits bei
vergleichsweise geringen Geschwindigkeiten Fahrsituationen darstellen, die auf
herkömmlichen Straßenbelägen erst bei deutlich höherem Tempo erreicht werden.
Ein Stück Nordschleife in Südfrankreich: Nachbau des Nürburgring-Karussells.
Zu den neueren Testzonen auf dem BMW Versuchsgelände in Miramas gehört eine
Nachbildung des berühmten Nürburgring-Karussells. Dieser auch als
Caracciola-Kurve bekannte Streckenabschnitt der Nürburgring-Nordschleife wurde
im Zuge der Erneuerung des 1.365 Meter langen "Petit Ovale" im Zentrum des
Erprobungsgeländes von Miramas originalgetreu nachgebaut.
Das Karussell bietet aufgrund seiner speziellen Geometrie einzigartige
Möglichkeiten zur Abstimmung von Fahrwerkskomponenten unter anspruchsvollsten
Bedingungen. Es besteht aus einer hochliegenden und gering geneigten
Asphalt-Fahrspur und einer innen angesetzten Steilkurve mit 30-prozentiger
Neigung. Im Testverlauf kann dort durch einen Fahrspurwechsel zwischen dem
flachen äußeren Kurvenrand und der inneren Steilkurve eine Kippbewegung des
Fahrzeugs um die Längsachse provoziert werden - ein Versuchsszenario, das
höchste Anforderungen an mechanische Fahrwerkskomponenten und elektronische
Regelsysteme stellt.
Mit insgesamt vier Handlingkursen, die zum Teil neu angelegt beziehungsweise
umfassend modernisiert wurden, stehen weitere Areale zur Optimierung des Lenk-
und Kurvenverhaltens, der Fahrstabilität und des Dämpfungskomforts zur
Verfügung. Sie werden sowohl für Fahrwerks- als auch für Reifentests genutzt.
Anspruchsvolle und zugleich praxisnahe Fahrbahnverhältnisse werden unter
anderem auf einer Verschmutzungs- und einer Staubstrecke simuliert. Auch für
die Erprobung und Abstimmung von Rennfahrzeugen bieten die mit
unterschiedlichen Kurvenverläufen, Streckenprofilen und Oberflächen-
beschaffenheiten ausgestatteten Handlingkurse optimale Bedingungen. Allein für
die Analyse des so genannten Nasshandlings kann ein rund 1,5 Kilometer
Streckenabschnitt dauerhaft bewässert werden.
Steigungshügel und Schlechtwegstrecken für konzentrierte Härtetests.
Auf dem BMW Versuchsgelände in Miramas werden Automobile und Motorräder nicht
nur hinsichtlich ihrer Fahrdynamik und ihrer Fahrstabilität optimiert, sondern
auch unter Extrembedingungen getestet, die weit über die Anforderungen der
täglichen Fahrpraxis hinausgehen. Auf diese Weise wirken innerhalb kurzer Zeit
Belastungen auf die Fahrzeuge ein, die sich im Alltagsverkehr erst nach vielen
Jahren ergeben. Eine Vielzahl von Schlechtweg- und Offroadstrecken dienen dazu,
die Zuverlässigkeit unter härtesten Bedingungen zu testen beziehungsweise die
besonderen Fähigkeiten von allradgetriebenen Automobilen sowie von
Enduro-Motorrädern weiter zu optimieren.
Eine außergewöhnlich große Vielfalt von Testbedingungen wird auf dem
im Jahre 2002 fertig gestellten Steigungshügel dargestellt. Sechs
Steigungsstrecken stehen dort zur Auswahl, vier von ihnen asphaltiert, die
beiden weiteren mit Betonfahrbahnen versehen. Die Neigungswerte der Strecken
betragen 5, 8, 12, 20, 32 beziehungsweise 58 Prozent. Hinzu kommt eine
Serpentinenstrecke mit einer Neigung von 10 Prozent. Auf dem Steigungshügel
werden das Anfahr- sowie das Bergan- und Bergabfahrverhalten von Automobilen
und Motorrädern getestet. In die vier Asphaltfahrbahnen sind jeweils auf halber
Höhe Niedrigreibwertstrecken aus Glassteinen integriert, die bewässert werden
können. Durch die Bewässerung entsteht dort ein Oberflächenreibwert, der dem
von poliertem Eis entspricht.
Speziell für die Erprobung von Enduro-Motorrädern stehen in Miramas spezielle
Teststrecken zur Verfügung, auf denen nahezu alle abseits fester Straßen
auftretenden Fahrbahnverhältnisse nachgebildet wurden. Flussbettpassagen und
Wasserdurchfahrten gehören dort ebenso zum Testprogramm wie Sprungbereiche,
Kopfsteinpflasterwege sowie Bahnschwellen-, Schlamm-, Splitt- und
Felsplattenstrecken. Auch unter diesen Bedingungen werden sowohl
Erprobungsfahrten als auch Dauertests durchgeführt.
Werkstätten und Büros mit modernster Technik.
Ebenso wie die Büros der Entwicklungsingenieure sind auch die Werkstätten auf
dem BMW Versuchsgelände mit modernster Technik ausgerüstet. So können
Modifikationen und gegebenenfalls auch Reparaturen an den Testfahrzeugen zügig
vor Ort vorgenommen werden. Für die Überwachung und Koordinierung des
Testbetriebs steht eine Einsatzzentrale samt Kontroll-turm zur Verfügung.
Bereits seit 1999 ist auf dem Testareal auch ein Rollenprüfstand im Einsatz,
auf dem Messprogramme bei Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h absolviert
werden können. Im Jahre 2004 wurde eine Spezialwerkstatt für
Wasserstofffahrzeuge in Betrieb genommen. Daran angeschlossen ist auch eine
Wasserstoff-Tankstelle. Eingeweiht wurden diese neuen Anlagen mit einer
spektakulären Rekordfahrt. Im September 2004 stellte der Prototyp BMW H2R in
Miramas neun Geschwindigkeitsweltrekorde für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge
auf.
Vor der Bebauung des Geländes in Miramas hat die BMW Group von Fachleuten
umfangreiche Kartierungen und Bewertungen durchführen lassen, unter anderem um
eine optimale ökologische Verträglichkeit zu gewährleisten. So tragen die
Bebauungspläne den Ergebnissen von Biologen Rechnung und beziehen die
Lebensbedingungen der Tier- und Pflanzenarten in dem Gebiet mit ein.
Unabhängige Gutachter bescheinigen der BMW Group regelmäßig einen besonders
verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen des Geländes, das
trotz der industriellen Nutzung weiterhin als ökologisch wertvoll gilt.
Im Gegensatz zu anderen Automobil- und Motorrad-Teststrecken steht das
Versuchsgelände Autodrome de Miramas ausschließlich der BMW Group
und ihren Zulieferern zur Verfügung. Über Schranken und Einfahrtscanner
wird die Zufahrt genau überwacht, um die Sicherheit des Testbetriebes zu
gewährleisten. Am kontinuierlichen Ausbau des Versuchsgeländes und seiner
Teststrecken lässt sich ablesen, wie die BMW Group interne Erprobungsverfahren
stetig weiterentwickelt, damit sie sowohl den hohen Qualitätsansprüchen des
Unternehmens als auch den veränderten Rahmenbedingungen für moderne Fahrzeuge
gerecht werden. Mit immer neuen Innovationen auf dem Gebiet der
Fahrwerkstechnik nimmt daher auch die Bedeutung des BMW Versuchsgeländes in
Miramas für den Entwicklungsprozess stetig zu.