BMW feiert Titel und Finalsieg in der American Le Mans Series
ALMS-Finale - Petit Le Mans in Road Atlanta, 6. Oktober 2001
München. Mit einem Sieg beim Petit Le Mans-Rennen in Road Atlanta krönt BMW
eine erfolgreiche Saison in der American Le Mans Series (ALMS): Während
Hans-Joachim Stuck und seine beiden amerikanischen Partner Bill Auberlen und
Boris Said am Samstag im BMW M3 GTR des US-Teams PTG die GT-Klasse beim
1000-Meilen Rennen gewannen, reichte BMW Werksfahrer Jörg Müller der zweite
Rang zum Gewinn des ALMS-Fahrertitels 2001. Das Team BMW Motorsport gewann die
diesjährige Teamwertung, der Markentitel in der GT-Klasse ging ebenfalls an BMW.
Stuck war nach dem anstrengenden Rennen auf der 4,09 Kilometer langen Berg- und
Talbahn im US-Bundesstaat Georgia überglücklich:. "Der neue M3 GTR mit dem
V8-Motor ist ein phantastisches Auto und macht mir einen Riesenspaß", freute er
sich. "Bei uns ist heute alles super gelaufen." Jörg Müller teilte sich in
Atlanta den 450 PS starken M3 GTR mit Namensvetter Dirk Müller, der im
vergangenen Jahr die GT-Wertung der ALMS gewonnen hatte. Es ist der erste
Meistertitel für Jörg Müller, den er nicht in einem Formelauto errungen hat.
Der 31-jährige gewann Titel in der Formel Ford, Formel 3 und 1996 in der
Formel-3000-Europameisterschaft. Von 1997 bis 2000 war er als
Formel-1-Testfahrer tätig.
"Ich bin mit dem Ziel, den Titel zu gewinnen, hierher gekommen", erklärt er.
"Ich habe mich um eine schonende Fahrweise bemüht und bin jetzt wahnsinnig froh
und erleichtert, dass es geklappt. Allerdings", schränkte Müller ein, "schmerzt
es, dass ich diesen Titel nicht mit JJ teilen kann." JJ Lehto (FIN) und Müller
teilten sich die Saison über den BMW und erzielten gemeinsam vier Siege. Für
das Finale trennten sie sich, um die Titelchancen zu maximieren. "JJ gehört der
Titel genauso wie mir", stellt Müller klar.
Bis zwei Stunden vor Rennende sahen Müller/Müller wie die sicheren Sieger aus.
Dann allerdings warf ein einminütiger Strafstopp das Duo zurück: Jörg hatte
anlässlich eines Fahrerwechsels beim Scheibenputzen geholfen. Ein Fahrer darf
laut Reglement allerdings nur beim Einsteigen und Anschnallen des Partners
behilflich sein. "Davon abgesehen", so Dirk, "war es ein tolles Rennen, auch
wenn es sehr anstrengend war, es nur zu zweit zu fahren."
JJ Lehto, der die Saison als Zweiter beschließt, wechselte sich beim Finale im
zweiten M3 GTR vom Team BMW Motorsport mit Karl Wendlinger (A) und Fredrik
Ekblom (S) ab, der am Samstag seinen 31. Geburtstag feierte. Lehto hatte das
gesamte Wochenende über kein Glück. Im Nachttraining am Donnerstag wurde er in
einen heftigen Unfall verwickelt, wobei sein M3 GTR derart stark beschädigt
wurde, dass er gerade rechtzeitig zum Qualifying wieder hergestellt werden
konnte. Dass der Finne damit dennoch die Pole Position erzielte, feierte die
Mannschaft wie einen Sieg.
Gemeinsam mit Ekblom führte Lehto die ersten zweieinhalb Stunden des Rennens.
Dann musste er nach einer Kollision zu einem außerordentlichen Boxenstopp und
verlor eine Runde auf Müller/Müller. Später hatte Wendlinger mit dem Auto einen
weiteren Kontakt mit einem Konkurrenten. "Danach", so Lehto enttäuscht, "war
die Spur verstellt. Das Auto war extrem schwierig zu fahren, von Aufholen
konnte keine Rede mehr sein."
Der zweite M3 GTR des Teams PTG, pilotiert von den Amerikanern Brian Cunningham
und David Murray sowie Niclas Jönnson (S), war nach knapp vier Stunden wegen
einer gebrochenen Kardanwellenscheibe ausgefallen.
BMW Motorsport Teammanager Charly Lamm bilanzierte: "Ich freue mich
unwahrscheinlich über den Gewinn von Marken-, Team- und Fahrerwertung. Das
Rennen heute war extrem hart, auch an der Box gab es keine Verschnaufpausen.
Bei zehn Safety-Car-Phasen konnte man keinen rechten Rhythmus finden, wir
mussten permanent die Strategien umstellen."
Im wichtigsten Auslandsmarkt mit brandneuem Auto
"Teams und Fahrer haben beim diesjährigen ALMS-Projekt Großartiges geleistet",
betonte BMW Motorsport Direktor Dr. Mario Theissen. "Durch die großen
Entfernungen waren die logistischen Anforderungen enorm, und der neue BMW M3
GTR musste während der Saison zur Rennreife gebracht werden. Angesichts dieser
Bedingungen sind die Erfolge gar nicht hoch genug einzuschätzen. Und sie sind
ausgesprochen wichtig für BMW", so Theissen weiter, "weil Nordamerika nach
Deutschland unser größter Markt ist. Bezogen auf M Fahrzeuge sind die USA sogar
unser größter Markt weltweit. Außerdem ist die BMW Fangemeinde hier in
zahlreichen Clubs ganz beeindruckend gut organisiert und lebt die Sportlichkeit
der Marke an der Rennstrecke."
56.000 Kilometer Dienstreise
Speziell für das deutsche Team BMW Motorsport war die Saison von langen
Anreisen zu den Einsätzen geprägt. Das Team trat zu zehn Rennen an, verteilt
auf sechs Bundesstaaten, Kanada sowie England und Spanien. Inklusive
Testfahrten legten die Trucks 11.000 Kilometer in Europa und 45.000 Kilometer
in Amerika zurück. Teammitglieder blieben teilweise einen ganzen Monat in den
USA, der kürzeste Heimataufenthalt dauerte gerade einmal fünf Tage. Eine
permanente Werkstatt in den USA hatte das Team nicht, dafür blieb zwischen den
Rennen keine Zeit. Wechselnde Fahrerlager dienten als Arbeitsstätten. Das BMW
Team PTG des deutschstämmigen Tom Milner operierte von Winchester im
Bundesstaat Virginia aus.
Sieben Siege und sechs Pole Positions in zehn Rennen
Nach dem ALMS-Auftakt in Fort Worth (Texas), wo sowohl das deutsche als auch
das amerikanische BMW Team noch mit Vorjahresautos antrat, debütierte der neue
BMW M3 GTR beim 12-Stunden-Rennen in Sebring. Der Einsatz bei dem
Langstreckenrennen in Florida bedeutete gleichzeitig die ersten Testfahrten für
den GT-Sportwagen - und er hielt einmal rund um die Uhr durch. "Allerdings",
erinnert sich Charly Lamm an die anschließende Inspektion, "wäre das auch
keinen Kilometer länger gut gegangen." Lehto/Müller erzielten im März in
Sebring den ersten Podiumsplatz mit dem BMW M3 GTR.
Beim anschließenden Europa-Gastspielt erlebte BMW in Donington (GB) einen
Doppelausfall und wurde anschließend in Jarama (E) mit einem Doppelsieg des
Coupés (Sieger: Ekblom/D. Müller) entschädigt. Zum Rennen im kalifornischen
Sears Point trat BMW mit dem neuen Fahrzeug erstmals in Mannschaftsstärke an,
seither verfügt auch PTG über zwei M3 GTR. In Sears Point gewannen Lehto/J.
Müller, beim folgenden Rennen in Portland siegten Stuck/Said. In Mosport,
Mid-Ohio und Laguna Seca gelangen Doppelsiege mit Lehto/J. Müller vor Ekblom/D.
Müller. Beim Finale erzielten Stuck/Auberlen/Said Sieg Nummer sieben.
Ergebnis GT-Klasse Petit Le Mans:
1. Bill Auberlen (USA)/Boris Said (USA)/Hans-Joachim Stuck, BMW M3 GTR, 360
Runden
2. Dirk Müller (D)/Jörg Müller (D), BMW M3 GTR, 359 Runden
3. Lucas Luhr (D)/Sascha Maassen (D), Porsche 911 GT3, 355 Runden
4. Fredrik Ekblom (S)/JJ Lehto (FIN), Karl Wendlinger (A), BMW M3 GTR, 355
Runden
5. Randy Probst (USA)/Christian Menzel (D), Piorsche 911 GT3, 353 Runden
6. Christophe Bouillon (F)/Johnny Mowlem (GB)/Michael Petersen (USA), Porsche,
344 Rdn.
Endstand GT-Klasse ALMS 2001, Fahrerwertung
1. Jörg Müller, BMW, 191 Punkte
2. JJ Lehto, BMW, 186
3. Sascha Maassen, Porsche, 177
4. Lucas Luhr, Porsche, 176
5. Boris Said, BMW, 169
6. Dirk Müller, BMW, 164
7. Fredrik Ekblom, BMW, 159
8. Hans-Joachim Stuck, BMW, 158
9. Randy Probst, Porsche, 148
10. Christian Menzel, Porsche,148
Markenwertung
1. BMW, 204
2. Porsche, 180
3. Callaway, 22
Teamwertung
1. Team BMW Motorsport, 194
2. Alex Job Racing, 180
3. BMW Team PTG, 170
4. Seikel Motorsport, 112
5. Kyser Racing, 106
6. Petersen, 104